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Focus Museum: Form follows visitor

Das Mittelschiff im Pauli Kloster„FOCUS – Neue Medien in Museen und Ausstellungen“, so der Titel der zweitägigen Veranstaltung im Archäologischen Landesmuseum in Brandenburg, bei der rund 200 Vertreter aus Museen und Kultureinrichtungen, sowie Gestalter und Ausstellungsplaner zusammenkamen. Das „neu“ im Untertitel durch „digital“ zu ersetzen, wäre wohl treffender gewesen, denn schon ein Blick ins Programmheft verriet, dass während dieser beiden Tagen mediale Anwendungen diskutiert werden, die bereits in vielen Museen genutzt werden. Von Audioguides, über Serious Gaming bis Audio Szenografie bot das Archäologische Landesmuseum ein abwechslungsreiches Programm mit renommierten Agenturen und Referenten auf dem Podium. Mit der Zusammenstellung der Themen verdeutlichte das Museumsteam, dass digitale Medien nicht unbedingt neu sind, aber noch viel Diskussionsbedarf zum sinnvollen Einsatz im musealen Kontext besteht.

Form Follows Visitor

Wo sind digitale Medien in Ausstellungen also relevant? Gleich im Auftaktvortrag fand Jussi Ängeslevä von der renommierten Berliner Agentur ART + COM die richtigen Worte. „Interaction should be related to the meaning“, sagte Ängeslevä in seinem Vortrag selbstbewusst. Diese Einsicht von einem international hoch angesehene Unternehmen zu hören, das mit der digitalen Inszenierung von Inhalten sein Geld verdient, sollte Museumsmacher zum Nachdenken anregen. Wie oft waren wir als Besucherin schon enttäuscht, wenn ein teurer Medientisch mehr verwirrte als zu erhellen, wenn er aufgrund von Wartungsarbeiten schlichtweg nicht funktionierte oder inhaltlich zu Tode langweilte? Medienstationen, Audioguides oder animierte Bilder machen nur dann Sinn, wenn sie die Besucher abholen. Immer wieder fiel während der Tagung diese Phrase. Doch was bedeutet es, jemanden abzuholen? Für Ausstellungsmacher bedeutet das in erster Linie zielgruppenspezifisch zu arbeiten, d.h. zu wissen, wer die Besucherinnen und Besucher überhaupt sind und welche Bedürfnisse und Erwartungen sie mitbringen. Besucherforschung ist der erste Schritt, wenn es darum geht Inhalte – ob nun digital oder analog – aufzuarbeiten. „Form follows visitor“: mit dieser einfachen Formel brachte es Uwe Brückner vom Stuttgarter Atelier Brückner am zweiten Tagungsgtag auf den Punkt.

Digitale Medien als Erweiterung

Prof. Ulrich Schwarz: Das Museum ist das MedienDigitale Medien sind kein Ersatz für das originale Objekt. Museen zeichnen sich als Orte der Authentizität aus, an denen die Aura des Originalen besteht. Die gezeigten Anwendungsbeispiele digitaler Medien waren immer dann überzeugend, wenn sie nicht jene Aura überlagerten, sondern diese betonten und einen neuen, erweiterten Zugang zum Verständnis ermöglichten. Besonders hervorzuheben ist die Medieninstallation im Rheinischen Landesmuseum Trier. Hier hat Tamschick Media + Space den steinernen Reliefs und Grabdenkmälern der Gräberstraße neues Leben eingehaucht. Im „Medialen Raumtheater“, wie die Macher es nennen, werden Projektionen direkt auf die Steine geworfen, sodass der Eindruck entsteht, die Figuren bewegen sich. Ein Soundinstallation mit gesprochenen Texten und Musik rundet die Multimediaschau ab. Die Steine an sich haben natürlich ihre Wirkung, aber sie sind wenig lebendig und bieten kaum einen emotionalen Zugang, um ihre bedeutungsvolle Geschichte zu entschlüsseln. Die mediale Aufbereitung stellt hier eine sinnvolle Erweiterung dar. (mehr)

Fazit

Ob es nun um Social Media geht oder Medieninstalltionen in Museen – man kann nicht genug betonen, wie wichtig es ist, zuerst die Inhalte zu entwickeln und daraus die Medien abzuleiten. Oft sind es einfache, kostengünstige Ideen, die eine Wirkung erzielen und nicht die teuren „Wischtische“. Denn letztendlich geht es in Museen nicht um Effekthascherei sondern um menschliche Gesten: das „Abholen“, „Berühren“ und „Einfühlen“. Das erfordert nicht, dass Inhalte in eine spektakuläre Form gepresst werden, sondern in eine Form, die den Besucherinnen und Besuchern passt. Eine sinnvolle thematische Ergänzung dieser Diskussion wären somit Studien zur Besucherforschung oder Beispiele der Evaluation von Medieninstallationen gewesen. Dennoch haben die viele Vortragende einen wichtigen Beitrag in der Debatte um den Einsatz digitaler Medien um Museum geleistet.

#focusmuseum

Bereits am ersten Tagunstag hat sich eine kleine, aber aktive Twittergemeinschaft zusammengefunden, die unter dem Hashtag #focusmuseum die Beiträge (und nicht nur das Buffet!) kommentiert hat.

Die Ergebnisse können hier bei Storify nachgelesen werden: http://sfy.co/edgN

 

Der Dank gilt dem Archäologischen Landesmuseum im Paulikloster für die professionelle Umsetzung und den tollen Service!

Interessante Beispiele + Unternehmen

ART + COM

hands on sound GmbH, Büro für akustische Szenografie

Museotainment GmbH

Tamschick Media + Space

TRIAD Berlin

Bertron Schwarz Frey GmbH

Atelier Brückner

museeon – Studio für Ausstellungen