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Fazit: TweetUp im Deutschen Historischen Museum Berlin

Unter den verschiedenen Anwendungen im Social Web gehört Twitter sicherlich zu den anspruchsvollsten: Wenige Zeichen erreichen relativ gesehen eine kleine Gemeinschaft. Wer die Eigenlogik von Twitter nicht versteht und Inhalte nicht auf den Punkt bringen kann, wird mit Twitter wenig Erfolg haben. Dennoch haben zahlreiche Museen und Ausstellungshäuser dieses Medium in ihren Social Media-Kanon aufgenommen und zwtischern mehr oder weniger regelmäßig über ihre Einrichtung. Doch Eigenlob stinkt bekanntlicher Weise und so suchen Social-Media-Manager nach neuen Wegen, die Gemeinschaft zum Sprechen zu bringen.

Einigen deutsche Museen und Ausstellungshäuser – darunter zum Beispiel C/O Berlin und das Museum für moderen Kunst in Frankfurt haben deshalb zu sogenannte TweetUps, KultUps oder auch MuseUps eingeladen. Das sind Veranstaltungen im Museum, meist Führungen, bei denen es explizit erwünscht ist, mit den Augen fest am Smartphone zu kleben und direkt aus der Ausstellung heraus über das Erlebte zu schreiben. Zuhören, Schreiben und dabei einer Führung folgen? Wie soll das gehen?

Auch das DHM hat im Zusammenhang mit der Ausstellung „Verführung Freiheit“ kürzlich zu einem MuseUp eingeladen.

Ich war durchaus skeptisch, da ich befürchtete , mich weder auf die Führung noch auf die Tweets konzentrieren zu können. Da es in den Ausstellungsräumen keinen Internetempfang gab, veranstaltete das DHM das MuseUPp außerhalb des Museums. Dazu wurden an der Fassade des Zeughauses QR-Codes angebracht, die zu einem Bild der Ausstellung verlinkten. Eine gute Idee, die allerdings in der Praxis tückisch war. Die Webseite, auf der sich die Bilder befanden, war durch ein Passwort geschützt. Die Anmeldedaten mussten per Hand eingegeben werden. Das führte dazu, dass manche Teilnehmer erst beim zweiten vorgestellten Bild einsteigen konnten, da sie noch immer mit der Anmeldung beschäftigt waren oder es andere technische Probleme gab. Das brachte leider etwas Unruhe in die Führung, die aufgrund des Umgebungslärms eh schon schwer zu verstehen war. Hatte man sich angemeldet, konnten die Codes problemlos gescannt werden.

Fazit:

In der Kälte Twittern und dabei zuhören ist eine echte Herausforderung – TweetUps sind stressiger als normale Führungen. Laufen, Zuhören, Schreiben – alles möglichst gleichzeitig ist nicht in jeder Hinsicht eine Bereicherung. Spannend fand ich dabei den Einsatz der QR-Codes , durch den eine Art Vorfreude auf die originalen Kunstwerke erzeugt wurde. Das lag aber vor allem auch an dem wirklich guten Kunstvermittler, der sich nicht allzusehr von der twitternden, aufs Smartphone starrenden Gruppe irritieren ließ und aus dem Kopf, ohne die Bilder vor sich zu haben, interessante Geschichten erzählen konnte. Das Tweetup war für mich erst dann eine Bereicherung, als ich im warmen Ausstellungsraum angekommen war und die originalen Werke betrachten konnte.

Aus Besuchersicht machen diese Veranstaltungen für mich wenig Sinn, da sie per se nicht ermöglichen, sich wirklich auf die Führung und die Exponate zu konzentrieren. Sie sind Instrument der Öffentlichkeitsarbeit, das dazu dient, persönliche Eindrücke, ganz subjektive Beobachtungen und Informationshäppchen in ein Netzwerk zu streuen. Ziel sollte es deshalb sein, möglichst neue Kreise zu erreichen. Denn zugegeben: Nur diejeniegen, die eh schon sehr aktiv bei Twitter sind, interessieren sich für die Nachrichten der TweetUps und das sind vor allem im Kulturbreich immer wieder die gleichen Menschen. Wie kann also der Erfolg eines TweetUps gemessen werden? Geht es um die Anzahl der Beiträge, die zu einem bestimmten Hashtag veröffentlicht wurden? Geht es um Retweets? Erstaunlich ist, dass alte Medien wie Print und Radio zunehmend über TweetUps berichten und damit eventuell einen Hype auslösen, der gar nicht berechtig ist.

Der Mehrwert bestand für mich darin, eine Führung durch die Ausstellung zu erleben und Menschen zu treffen, die ich sonst nur über das Web kenne. Vielleicht sollte darauf in Zukunft mehr Wert gelegt werden. Somit wären TweetUps analog zu Presseführungen ein Instrument, Meinungsführer, „Influencer“, zu erreichen und Informationen in neue Netzwerke zu streuen.

Tipps für TweetUps:

  • Geben Sie den Teilnemehrinnen und Teilnehmern bereits im Vorfeld Informationen zur Ausstellung, damit sie grob wissen, worum es eigentlich geht
  • Ist das TweetUp mit einer Anmeldung oder einem Login vor Ort verbunden, drucken Sie relevante Daten vorab für jeden Teilnehmer aus
  • Planen Sie kurze „Tweet-Pausen“ ein, damit die Teilnehmer nicht überfordert sind
  • Jedes TweetUp sollte mit einem Come-Together (Barbesuch, Kaffee und Kuchen vor Ort etc.) verbunden sein, damit sich die Twitterer auch untereinander kennenlernen können
  • Sorgen Sie für ein ruhiges Umfeld ohne Stolperfallen (!) –TweetUps sind nur für Multitasker zum empfehlen